Für die Deutschen hat Amerika als wichtigster Verbündeter ausgedient 4.5/5 (4)

von FAZ

Sie fahren nur noch mit deutschen Panzern. Niederländische Soldaten bei der Übung „Bison Drawsko 2017“ in Polen

Die Bundesrepublik sollte militärisch verstärkt auf Europa statt auf die Vereinigten Staaten setzen – zumindest, wenn es nach den Deutschen geht. Einer Umfrage zufolge hört bei ihnen aber der Wille zur engeren militärischen Zusammenarbeit an einem Punkt auf.

Wenn es zum militärischen Schwur kommt, sind die Streitkräfte der Vereinigten Staaten bis heute das Maß aller Dinge. Sie verfügen über den größten Verteidigungsetat, die modernste Armee, die schlagkräftigste Marine, gemeinsam mit Russland über das umfangreichste Atomwaffenarsenal und nach China über die meisten Soldaten. Wer Amerika zum Alliierten hat, kann ruhig schlafen. Einen Krieg mit Washington will niemand riskieren, der bei Sinnen ist.

Dennoch: Für eine große Mehrheit der Deutschen, die über Jahrzehnte Nutznießer des mächtigen Alliierten an ihrer Seite waren, haben die Vereinigten Staaten als wichtigster Verbündeter ausgedient. Das geht aus einer Umfrage von Kantar Public im Auftrag der Körber-Stiftung hervor, die an diesem Dienstag auf dem „Berliner Forum Außenpolitik“ vorgestellt werden soll und der F.A.Z. vorliegt.

Demnach denken 88 Prozent der Deutschen, dass eine Verteidigungspartnerschaft unter europäischen Staaten künftig Priorität gegenüber der Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten haben sollte. Gerade einmal neun Prozent setzen weiterhin auf Washington als Partner Nummer eins.

Dieses vehemente Bekenntnis für eine engere europäische Verteidigungskooperation kann überraschen, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass sich seit dem Wahlsieg Donald Trumps vor einem Jahr das transatlantische Verhältnis stark eingetrübt hat. Schließlich hatten dessen ungeachtet noch im Frühjahr dieses Jahres zwei Drittel der Deutschen bei einer Befragung des renommierten „Pew Research Centers“ angegeben, dass sie eine hohe Meinung von der Nato haben – von einem Militärbündnis, dessen wichtigstes Mitglied nun mal die Vereinigten Staaten sind.

Grundsätzlich ist der Wille zur engeren militärischen Zusammenarbeit unter den Deutschen zwar stark. Folgen jedoch konkrete Belastungen daraus, schrumpft er merklich. Schon innerhalb der Nato, mit den Vereinigten Staaten im Rücken, erfüllen die meisten Mitglieder ihre Selbstverpflichtung nicht, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung auszugeben.

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