Sonntagsansichten – Irgendein Depp mäht irgendwo immer 5/5 (8)

REINHARD MEY … Irgendein Depp mäht irgendwo immer … LIVE Der ganz alltägliche Wahnsinn im Vereinigten Königinnenreich von Merkelonia vom Barden musikalisch auf den Punkt gebracht.

TheLilBadWolfCorpora

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Der Honigmann

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Sonntagsansichten – September 5/5 (5)

Der Dornbusch prangt im Schmuck der roten Beeren,
Die Dahlien in ihrer bunten Pracht,
Und Sonnenblumen mit den Strahlenspeeren
Stehn stolz wie goldne Ritter auf der Wacht.

Die Wespe nascht um gelbe Butterbirnen,
Die Äpfel leuchten rot im Laub und glühn
Den Wangen gleich der muntren Bauerdirnen,
Die sich im Klee mit ihren Sicheln mühn.

Noch hauchen Rosen ihre süßen Düfte,
Und freuen Falter sich im Sonnenschein,
Und schießen Schwalben durch die lauen Lüfte,
Als könnt des Sommerspiels kein Ende sein.

Nur ab und an, kaum dass der Wind die Äste
Des Baumes rührt, löst leise sich ein Blatt,
Wie sich ein stiller Gast vom späten Feste
Heimlich nach Hause stiehlt, müde und satt.

Gustav Falke

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Der Honigmann

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Sonntagsansichten – Regenzeit 5/5 (3)

 Regenzeit
 
Geh‘ ich nach dem ew’gen Regen
Durch den Wald bei früher Zeit,
Ei, wie macht auf allen Wegen
Sich das Volk der Pilze breit!
 
Zwischen Dorn und Hagebutte
Truppweis auf des Pfades Rand
Stehn sie hier in weißer Kutte,
Dort im braunen Mönchsgewand.
 
Andre blähn gleich Kardinälen
Sich im flachen Scharlachhut,
Ach, und vollends nicht zu zählen
Ist die schwarzgefleckte Brut.
 
Dicht geschart und immer dichter
Durchs Revier von Ort zu Ort
Wälzt das schwammige Gelichter
Seine Propagande fort;
 
Klimmt mit unheimlicher Schnelle
Hügelan aus jeder Schluft,
Haucht von jeder sumpf’gen Stelle
Seinen Brodem in die Luft.
 
Frischen Sonnenatem sende,
Güt’ger Himmel, send‘ ihn bald!
Sonst verdumpft uns noch am Ende
Dies Gezücht den ganzen Wald.
Emanuel Geibel

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Der Honigmann

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Sonntagsansichten – Der August Bisher noch keine Bewertung

Nun hebt das Jahr die Sense hoch
und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muß mähen.
Und wer mäht, muß säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Wann reisten sie? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?

In Büchern liest man groß und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, –
das Unverständliche bleibt unverständlich.

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …

Nichts bleibt, mein Herz. Bals sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Erich Kästner

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Der Honigmann

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Sonntagsansichten – Der Sommerabend schallet Bisher noch keine Bewertung

Der Sommerabend schallet
So still aufs Erdenreich,
Tiefer der Himmel blauet,
Des Westens Rot wird bleich.

An den Bergen verglühet
Der gold’ne Abendschein,
Stillheimlich rauschend ziehet
Unten der tiefe Rhein.

Es duften Reben und Rosen
Um das freundliche Haus,
Liebliche Mädchen kosen
Von dem Balkon heraus.

Sie ringen und umschlingen
Sich scherzend in süßem Spiel,
Saiten und Lieder erklingen;
Ich sinne und träume viel.

Ich wandle auf und nieder
In süßem seligem Traum,
Verklungen sind längst die Lieder,
Ich weiß es selber kaum.

Und wie ich erwache, dunkelt
So groß mich an die Nacht,
Der Himmel, sternendurchfunkelt,
Die Berge in ruhiger Pracht.

Wolfgang Müller

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Sonntagsansichten – Was Liebe ist… Bisher noch keine Bewertung

Liebe ist…

 

– den Partner schlafen zu lassen, wenn der noch müde ist…

– dem Partner immer die besten Happen beim Essen zu überlassen…

– den Partner ans Autosteuer zu lassen…

– den Partner nach Strich und Faden zu verwöhnen…

– die Wünsche und Bedürfnisse des

Partners zu respektieren…

– den Partner in allem zu loben,

was er auch tut…

– den Partner zu ermuntern und aufzuheitern…

– die Schwiegermutter wochenlang zu Besuch zu dulden…

– Liebe ist, nie die Geduld zu verlieren…

– Liebe ist noch sehr viel mehr…

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Aber:

Man erkennt, dass diese Liebe

meist nur ein Wunschtraum

ist und bleibt.

 Hans Harress

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Der Honigmann

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Sonntagsansichten – Juli Bisher noch keine Bewertung

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.

Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.

Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.

Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.

Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.

Erich Kästner

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Der Honigmann

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Sonntagsansichten – Schwäbische Kunde Bisher noch keine Bewertung

Als Kaiser Rotbart lobesam
zum heil’gen Land gezogen kam,
da mußt‘ er mit dem frommen Heer
durch ein Gebirge wüst und leer.

Daselbst erhob sich große Not.
Viel Steine gab’s und wenig Brot.
Und mancher deutsche Reitersmann
Hat dort den Trunk sich abgetan.

Den Pferden ward so schwach im Magen,
fast mußt der Reiter die Mähre tragen.

Nun war ein Herr aus Schwabenland,
von hohem Wuchs und starker Hand.
Des Rößlein war so krank und schwach,
er zog es nur am Zaume nach.

Er hätt‘ es nimmer aufgegeben,
und kostet’s ihn das eig’ne Leben.
So blieb er bald ein gutes Stück
hinter dem Heereszug zurück.

Da sprengten plötzlich in die Quer
fünfzig türkische Reiter daher!
Die huben an, auf ihn zu schießen
nach ihm zu werfen mit den Spießen.

Der wackre Schwabe forcht‘ sich nit,
ging seines Weges Schritt vor Schritt,
ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken
und tät nur spöttlich um sich blicken,

bis einer, dem die Zeit zu lang,
auf ihn den krummen Säbel schwang.

Da wallt dem Deutschen auch sein Blut.
Er trifft des Türken Pferd so gut,
er haut ihm ab mit einem Streich
die beiden Vorderfüß zugleich.

Als er das Tier zu Fall gebracht,
da faßt er erst sein Schwert mit Macht,
er schwingt es auf des Reiters Kopf,
haut durch bis auf den Sattelknopf,

haut auch den Sattel noch zu Stücken
und tief noch in des Pferdes Rücken.
Zur Rechten sah man wie zur Linken
einen halben Türken heruntersinken.

Da packt die andern kalter Graus,
sie fliehn in alle Welt hinaus,
und jedem ist’s, als würd ihm mitten
durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten.

Drauf kam des Wegs ’ne Christenschar,
die auch zurückgeblieben war;
die sahen nun mit gutem Bedacht,
welch Arbeit unser Held gemacht.

Von denen hat’s der Kaiser vernommen,
der ließ den Schwaben vor sich kommen;
er sprach: „Sag an, mein Ritter wert!
Wer hat dich solche Streich gelehrt?“

Der Held besann sich nicht zu lang:
„Die Streiche sind bei uns im Schwang!
Sie sind bekannt im ganzen Reiche;
man nennt sie halt nur Schwabenstreiche!“

Ludwig Uhland

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Der Honigmann

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Sonntagsansichten – Der alte Barbarossa Bisher noch keine Bewertung

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird’schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat, im Schloß verborgen,
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug‘ halb offen zwinkt,
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
„Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg!

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr“

Friedrich Rückert

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Sonntagsansichten – Juli Bisher noch keine Bewertung

Auf kühlen Bergen, an des Meeres Strande,
Ist dir ein heitrer Gartensitz bereitet,
Nicht allzu eng, auch nicht zu weit verbreitet:
Man liebt sich einzuschränken auf dem Lande.

Ein junger Quell im Bett von weichem Sande
Ist zierlich durch die Gänge hingeleitet,
Bis er betrogen in ein Becken gleitet,
Das ihm versteckt der Blumenhain am Rande.

Da muss er, eingezwängt in schlanker Säule,
Aufsteigen aus dem runden Marmormunde
Und auf der Höhe sich in Schaum zerstäuben.

Das Moosbett winkt zu mittäglicher Weile;
Es schlummert Alles, nur im klaren Grunde
Seh’ ich die goldnen Fischlein Spiele treiben.

Wilhelm Müller

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