„Wegen russischer Bedrohung“: Britische Besatzungstruppen bleiben weiter in Deutschland 5/5 (3)

"Wegen russischer Bedrohung": Britische Besatzungstruppen sollen weiter in Deutschland bleiben

von RT

Eigentlich wollte die britische Armee aus dem JHQ am Niederrhein bis 2020 abziehen. Nun schlug ihr Oberkommandierender Nick Carter vor, den Rückzug zu stoppen. Grund: Man will im Falle eines Konflikts mit Russland einen schnellen Zugang zu Osteuropa haben.

Die vermeintliche Bedrohung aus dem Osten durch das unheilvolle Erstarken Russlands bietet den Vereinigten Staaten einen hervorragenden Vorwand dafür, ihre Streitkräfte in Europa zu belassen und deren Präsenz sogar noch auszubauen.

Auch der Generalstabschef der britischen Streitkräfte, Sir Nick Carter, zeigte sich besorgt im Hinblick auf die „Ostflanke“. Zu deren Schutz sollte Großbritannien erwägen, entgegen den ursprünglichen Abzugsplänen die Streitkräfte in Deutschland gar noch zu verstärken. Jüngst hieß es zwar von offizieller Stelle, dass sich an dem Plan, die ehemaligen Besatzer planmäßig im Jahr 2020 aus Deutschland zurückzuziehen, nichts geändert habe.

Sir Nick Carter jedoch vermittelte in einer Rede am Royal United Services Institute (RUSI) der Öffentlichkeit und den britischen Entscheidungsträgern ein Drohszenario, aufgrund dessen die britischen Streitkräfte ihre Stützpunkte in Deutschland behalten müssten.

Russland könnte „früher als erwartet losschlagen“

So warnte er, Russland könne eine Mischung aus „konventionellen, unkonventionellen und nuklearen Domänen“ einsetzen und damit die „komplexeste und leistungsfähigste Sicherheitsherausforderung seit dem Kalten Krieg“ schaffen. Der Gegner aus dem Osten sei nicht nur militärisch potent, die Dringlichkeit der britischen Präsenz ergebe sich auch daraus, dass dieser unverhofft schon bald als solcher in Aktion treten könnte.

Sie könnten die Kriegshandlungen früher einleiten, als wir erwarten“, fügte Carter in seiner Rede am RUSI hinzu.

Und dem sei unbedingt vorzubeugen. Wie bereits früher Strategen von NATO-Verbündeten setzt also auch Carter auf Prävention:

Unsere Fähigkeit, Bedrohungen vorzubeugen oder auf sie zu reagieren, wird untergraben, wenn wir nicht mit unseren Gegnern mithalten.

Und die Bedrohungen sind nach Ansicht des Generals bereits sehr nah:

Die Bedrohungen, mit denen wir konfrontiert sind, sind nicht Tausende von Kilometern entfernt, sondern liegen jetzt vor der Haustür Europas. Wir haben gesehen, wie Cyber-Kriegsführung sowohl auf dem Schlachtfeld als auch außerhalb dazu benutzt werden kann, das Leben normaler Menschen zu stören. Wir im Vereinigten Königreich sind nicht immun dagegen.

Nach Ansicht des Generals müsse man angesichts solcher Bedrohungen geschwind agieren, sowohl in der Erkenntnis als auch in der Entscheidung und der Aufstellung. Es muss also schnell gehen, nach Ansicht des erfahrenen Armeechefs. General Sir Nicholas Carter ist seit 2014 Generalstabschef und damit ranghöchster Heeresoffizier, der sich zuvor durch Einsätze in Bosnien und Kosovo, Irak sowie in Afghanistan verdient gemacht hatte. Dort schrieb er 2002 den US-Kampagnenplan, 2009-2010 hatte er das regionale Kommando über 55.000 NATO-Streitkräfte inne und 2012-2013 fungierte er als stellvertretender Kommandeur der NATO-Mission.

Mönchengladbach wieder als möglicher Standort im Gespräch

Das RUSI wird teilweise als unabhängiges Forschungsinstitut dargestellt. Vorsitzender ist der frühere Außenminister und jetzige Citigroup-Berater William Hague, der unter anderem im Jahr 2011 den NATO-Einsatz in Libyen „zum Schutz der Bevölkerung“ befürwortete. Senior-Vize des RUSI ist der ehemalige CIA-Chef David Petraeus, der der US-Armee zuvor in Afghanistan und im Irak diente.

Zwar überprüfe die Armee die Möglichkeiten, Straße und Schiene für Einsätze zu nutzen, doch seien auch feste Stützpunkte wesentlich:

Deshalb prüfen wir aktiv den Erhalt unserer Infrastruktur in Deutschland, wo wir unsere Fahrzeuge in der Ayrshire-Kaserne in Rheindahlen und unsere Schulungseinrichtungen in Sennelager lagern, sowie unsere dort stationierten Schwerlasttransporter und unsere Vorrats- und Munitionslager“, verriet Carter.

Es würde auch erwogen, zusätzliche Ressourcen für einen Stützpunkt in der Nähe von Mönchengladbach im Rheinland einzusetzen, um die Ostflanke Europas im Falle eines russischen Angriffs zu stärken. Seit 2010 bestand der Plan, die britischen Stützpunkte, deren Rechtfertigung wie auch die Stationierung anderer ausländischer Truppen nach dem offiziellen Ende des Ost-West-Konfliktes kontrovers diskutiert wurde, abzubauen.

Dementi der britischen Armee – Lediglich Ausnahmen vom Abzugsplan 2010

Bereits im Juli 2013 hieß es „Goodbye Rheindahlen“, als einem ganzen Ortsteil von Mönchengladbach, der als Standort des „Joint Headquarters Rheindahlen“ für die britische Armee bekannt war, Lebewohl gesagt wurde. Damals zogen die Briten aus dem Joint Headquarter am Niederrhein ab, als ihr Hauptquartier 2013 von Mönchengladbach nach Bielefeld verlegt wurde. Bis dahin war Mönchengladbach über viele Jahre die „bedeutendste Garnisonsstadt Deutschlands“, mehrere hunderttausend Soldaten und ganze Luftflotten wurden von Rheindahlen aus befehligt.

Dass das ehemalige Hauptquartier wieder in Betrieb genommen werden könne, sei kein Thema, sagte ein britischer Militär auf Anfrage der rp-online:

Bis 2020 werden alle britischen Truppen Deutschland verlassen haben. Das ist der Plan, daran hat sich nichts geändert.

Allerdings gebe es Ausnahmen, darunter die Ayrshire-Barracks bei Mönchengladbach, ein „Depot für schweres Heeresgerät“, wo nur noch zehn Soldaten tätig seien, die durch eine noch unbekannte Zahl an Zivilangestellten ergänzt werden sollen. Das Lager – Luftaufnahmen zufolge aus rund 40 großen Hallen, ausgedehnten Freiflächen und einem Bahnanschluss bestehend – soll auch über 2020 hinaus in Betrieb bleiben.

Die Annahme, dass das noch größere ehemalige Hauptquartier Rheindahlen reaktiviert werden könnte, wird auch darauf zurückgeführt, dass die NATO zwei neue Kommandostäbe beschlossen hat und dafür nach Standorten sucht. Eines der Hauptquartiere soll Truppenverlegungen innerhalb Europas befehligen.

Quelle : https://deutsch.rt.com/europa/64873-wegen-russischer-bedrohung-britische-besatzungstruppen-deutschland/

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Meinung Exklusiv: NATO probt Krieg in Deutschland – Mit gefakter Friedensbewegung als Problemfaktor 4.83/5 (6)

Exklusiv: NATO probt Krieg in Deutschland – Mit gefakter Friedensbewegung als Problemfaktor

U.S. Army M1A2 Abrams Panzer des bei einer Übung auf dem Joint Multinational Readiness Center der NATO in Hohenfels, Deutschland

In einem neuen Szenario trainiert die NATO einen Angriff auf Deutschland durch einen Feind aus dem Osten. Dabei simuliert man auch interne Spannungen in der Bundesrepublik. Erfahrungsbericht eines ehemaligen Mitarbeiters auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels.

von Michael Thormann

Mit der NATO verbindet man häufig nur eine mal mehr, mal weniger konkrete Vorstellung – etwas, von dem man oft nur mittelbar erfährt, eben “aus den Nachrichten”. So jedenfalls erging es mir bis vor einigen Jahren. Das war, bevor ich 2013 zum ersten Mal als Statist an einem Manöver der U.S. Army auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels in Bayern teilnahm.

Ich sollte bis zum Herbst 2016 dort in verschiedenen Funktionen beschäftigt sein. Die riesige, 160 Quadratkilometer große “Hohenfels Training Area” erschien mir wie ein militärisches Parallel-Universum inmitten der bayrischen Oberpfalz. Eines, das mich über die Jahre stark sowohl im positiven wie im negativen Sinne gleichermaßen prägte und paradoxerweise überhaupt erst zum politischen Hinterfragen der “Allianz für Sicherheit und Werte”, wie sie das Bundesverteidigungsministerium nennt, geführt hat.

Nicht nur die NATO im Allgemeinen, auch die Militär-Manöver in Hohenfels im Speziellen waren zuletzt Gegenstand berechtigter, heftiger Kritik. So geriet ein Inserat der Personalfirma, die im Auftrag der US-Armee die Statisten für die Manöver stellt und für die ich arbeitete, in die Schlagzeilen: “Russisch – Rollenspieler/innen für NATO Übungen gesucht”. Darauf aufbauend hat “Die Linke” im Herbst 2017 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung in Bezug auf Manöver und Militärübungen ausländischer Streitkräfte in Deutschland gestellt.

Das umstrittene Stellengesuch erschien nach meiner Zeit in Hohenfels. Dass hier, wie in kritischen Berichten behauptet, speziell die Besetzung russischsprachiger Gebiete geprobt wird, kann ich zumindest aus meiner Erfahrung nicht bestätigen. Jedoch wird gegenwärtig auf dem Truppenübungsplatz in Hohenfels ein Szenario trainiert, welches erstmalig im Sommer 2016 neu eingeführt wurde und das für mich den endgültigen Ausschlag gab, meine Tätigkeit dort zu beenden.

Den Narrativ dieses Szenarios, das ich im Weiteren hier beschreiben möchte, halte ich für noch viel bedenklicher als den Gegenstand der Kritik im Zusammenhang mit der Stellenanzeige.

“Militärische Operationen im urbanen Gebiet”

Es hilft, sich zunächst eine Vorstellung davon zu machen, wie ein Training mit zivilen Komparsen im so genannten Joint Multinational Readiness Center Hohenfels, wie es die U.S. Army auch nennt, in der Regel abläuft. Jedes Jahr finden dort ungefähr acht bis zehn Manöver unter der Beteiligung von Statisten statt. Wie es der Name schon nahelegt, sind die Übungen stets multinational ausgerichtet und häufig mehrere tausend Soldaten aus den unterschiedlichen NATO-Ländern daran beteiligt. Bei den Manövern, auch “Rotationen” genannt, erproben die Soldaten Kriegsgerät anhand militärischer Situationen mithilfe von Platzpatronen. Mittels Laser und Sensoren werden Gefechtsbedingungen nachgestellt, ohne dass Soldaten dabei zu Schaden kommen. Das Zielen auf Menschen, in dem Fall Kameraden, ist “realistischer” als ein reines Schuss-Training auf Zielscheiben oder Pappfiguren und damit zugleich desensibilisierend.

Darüber hinaus stellt die NATO Fake-Dörfer bereit, im Militärjargon “M.O.U.T.-Sites” genannt, Military Operations in Urban Terrain” – also künstlich angelegte Orte, an denen Soldaten militärische Operationen im urbanen Gebiet erproben. Im gesamten Gebiet des Truppenübungsplatzes gibt es davon ungefähr ein knappes Dutzend. Nachgestellt wurden und werden in Hohenfels unter anderem Szenarien für Einsätze im Irak, Kosovo, Afghanistan oder einem fiktiven Land mit dem Namen “Atropia”.

Typische Trainingssituation auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels. Symbolbild: US Army 2014, Wikimedia Commons

Die Übungsdörfer bestehen aus festen oder improvisierten Gebäuden. Um optisch einem realen Einsatzort näher zu kommen, wurde etwa speziell für Manöver zu Afghanistan ein Dorf nur mit Flachbauten errichtet. Der Begriff M.O.U.T. ist nicht zuletzt durch die umstrittene Bundeswehr-Übungsstadt Schnöggersburg ins Bewusstsein geraten, deren Gebäude jenen in Hohenfels zum Teil stark ähneln. Tatsächlich gibt es nicht nur in Deutschland, sondern in Europa und der ganzen Welt verstärkt derartige Übungsplätze, die den urbanen Krieg in artifiziellen Städten trainieren.

Während die NATO unter Bezugnahme auf die Angst vor einer imaginären

Civilians on the Battlefield – Zivilisten auf dem Gefechtsfeld

Ungefähr 20 bis 60 so genannte COBs, was für Zivilisten auf dem Gefechtsfeld steht, wie ich selbst einer war, bevölkern je eine M.O.U.T.-Site. Vom einfachen Bauern, Ladenverkäufer, Polizisten bis hin zum Bürgermeister, Dolmetscher oder höheren Regierungsbeamten gibt es verschiedene Rollen. Mithilfe der Statisten repliziert die U.S. Army die unterschiedlichsten Situationen: Angriff, Verteidigung, pro NATO oder gegen die NATO eingestellte Bevölkerungsteile, umfangreiche Verhandlungs-Gespräche von Soldaten mit lokalen Entscheidungsträgern, Demonstrationen, Verletzte, Razzien, Straßenblockaden, Belagerung, Befreiung, Flüchtlings-Bewegungen oder einfach nur ruhiges Alltagsleben.

Die Kommunikation zwischen Soldaten und Komparsen findet ausschließlich mittels Dolmetschern statt, da auch die Sprachbarriere ein entscheidendes Trainings-Kriterium ist. In der Regel wird hier zwischen Englisch und Deutsch übersetzt, wobei Letztgenanntes normalerweise als “Fremdsprache” des simulierten Landes fungiert. Da viele osteuropäische NATO-Länder an den Manövern teilnehmen, sprechen nicht alle Soldaten gutes Englisch. Gelegentlich wird daher, je nach sprachlichen Fähigkeiten der Dolmetscher und Soldaten, zwischen Deutsch und Russisch oder auch anderen Sprachen übersetzt. Dies ist, zumindest nach meinem Kenntnisstand, auch der Grund, warum in der zuvor angesprochenen Stellenanzeige verstärkt Statisten mit Kenntnissen in slawischen Sprachen und Russisch gesucht wurden. Damit ist aber keineswegs Entwarnung gegeben, im Gegenteil.

Das “Skolkan”-Szenario – Wie die NATO den Krieg in Deutschland übt

Im Gegensatz zu den bisherigen Manövern stellt die NATO im neuen Szenario mit dem Titel “Skolkan” ein “entwickeltes, europäisches Land” dar. Hauptziel ist hier laut US-Armee “die Verteidigung eines NATO-Mitgliedslandes” als Antwort auf den Bündnisfall nach Artikel 5 des NATO-Vertrages. Auf der Homepage der US-Armee zum Skolkan-Szenario heißt es, dass sich dieses Manöver für die trainierenden Zielgruppen von deren Erfahrungen im Irak oder Afghanistan stark unterscheidet. Die Herausforderungen, die es in einer Skolkan-Rotation zu meistern gibt, sind “steigende Arbeitslosigkeit”, “Energie-Engpässe” oder “ein Zustrom von Binnenflüchtlingen sowie Flüchtlingen aus anderen Ländern”.

Trainingsmaterial: Die fiktive Skolkan-Allianz der Länder Lindsey, Torrike und Bothnia (rot) greift die NATO (blau) an.

Diese Aussagen bekommen, gelinde gesagt, einen recht üblen Beigeschmack. Denn die US-Armee erwähnt offiziell dabei nicht, dass es sich bei diesem “entwickelten europäischen Land” im Training offensichtlich um Deutschland handeln soll. Die Daten, auf die ich mich im Weiteren beziehe, entstammen dem Manöver Combined Resolve VII, das vom 8. August bis zum 15. September 2016 stattfand.

Invasion Deutschlands durch einen Feind aus dem Osten

Bei “Skolkan” handelt es sich um eine fiktive Allianz von feindlichen Ländern, welche die NATO-Länder angreifen. Russland, so heißt es hier, sei ein “neutraler Szenario-Nichtteilnehmer”.

Trotz dieser Fiktion ist ziemlich klar, dass es sich beim vermeintlichen Angreifer nur um Russland handeln kann.

Zum einen hat der kürzlich geschiedene Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte in Europa, Generalleutnant Ben Hodges, in einem Feature zu einem früheren NATO-Manöver 2015 zugegeben, dass “selbst in den Hochzeiten des Kalten Krieges in unseren Szenarien Russland nicht direkt benannt wurde”. Allgemein möchte die US-Armee damit “eine Provokation vermeiden und Situationen, die so aussehen, als würden wir einen Angriff vorbereiten”. Und bei NATO-Ländern brauche man das Einverständnis von allen Ländern, um die offiziellen Übungspläne zu entwickeln.

Zum anderen verdeutlicht die trainingsinterne “Road to War”, dass gar nicht so viele verschiedene Länder als mögliche Angreifer infrage kommen. So heißt es hier, dass “Bothnia” in das Land Estland einfällt. Einen Tag später tritt daraufhin besagter Artikel 5 des NATO-Vertrages in Kraft. Die Streitkräfte der Skolkan-Allianz überwältigen in der Folge die NATO-Truppen im Baltikum. Innerhalb von zwei Wochen überrennen sie auch Polen, die Tschechische Republik sowie den Norden Österreichs. Sie sammeln sich entlang der polnisch-tschechischen Grenze und fallen laut Narrativ in Deutschland ein, um München und Nürnberg zu belagern. Der Angriff Skolkans, so heißt es im Trainingsmaterial, führt zu ungefähr einer halben Million polnischer und tschechischer Flüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland.

Die Umstellung des Trainingsgeländes auf “Deutschland

Für das Skolkan-Szenario veränderte die US-Armee die Gebäude der Übungsdörfer äußerlich leicht, um sie der Umgebung im realen Deutschland besser anzupassen. So wurden etwa Schilder von deutschen Läden oder Behörden angefertigt. Die Übungsdörfer selbst tragen deutsche Namen. Die Gesamtheit des Militär-Geländes stellt für die Dauer einer Skolkan-Rotation den bayrischen “Landkreis Kittensee” dar.

Trainingsgebäude, das als Sparkasse fungiert

Für jedes Übungsdorf gibt es eine eigene, so genannte “Stadtgeschichte”, die von Rollenspielern gelernt wird. Hauptprobleme der Städte im Szenario sind: Spannungen mit dem Feind, Migranten, hohe Lebensmittelpreise, Benzinknappheit, fehlende Elektrizität, innere Sicherheit. An anderer Stelle ist in den Narrativen auch von Cyber-Angriffen auf Bankhäuser mit Panik-Läufen auf die Geldautomaten und anschließenden Beschwichtigungen durch die Regierung die Rede. Ein Fahrplan zu einem möglichen Banken-Crash?

Auszug aus trainingsinternem Material einer Stadtgeschichte (“Town Narrative”)

Damit werden neben dem bloßen Angriff eines Feindes von außen auch interne Spannungen in Deutschland selbst abgebildet, was ein derartiges Manöver umso bedenklicher macht.

Schilder, die für die Umstellung des Geländes angefertigt wurden

Die Darstellung des deutschen politischen Systems

Ähnlich wie in anderen Manövern werden auch bei der Skolkan-Rotation ökonomische, politische, soziale und kulturelle Eigenheiten abgebildet, beispielsweise etwa die Darstellung des deutschen Parteiensystems. Verwendet werden aber fiktive Namen.

Auszug aus dem Stadtnarrativ, der von einem Cyber-Angriff auf die Sparkasse handelt

So genannte legitime politische Parteien von “liberal” über “moderat” bis “konservativ” sind hier die so genannte Partei “Menschen für die Umwelt”, “Soziale Arbeiter-Partei”, “Partei für ein konservatives Deutschland” und die Partei “Stabiles Deutschland”. Als “faschistisch” angesehen ist hingegen die “Deutsche Vaterlands-Partei”, als “sozialistisch” und ebenfalls keine “legitime” Partei gilt die so genannte “Bewegung zur Wahrung des Friedens”.

Trainingsmaterial zu den deutschen Parteien im Skolkan-Szenario

Einige Statisten spielen den Part eines Mitglieds der “Deutschen Vaterlands-Partei” und nehmen dabei hauptsächlich eine radikale Haltung gegen Flüchtlinge ein. Die Trainings-Narrative erwähnen häufiger Spannungen in den deutschen Übungsdörfern aufgrund von hinzugekommenen Flüchtlingen und umstrittener Politik.

Simulierte Medien

Im Szenario werden trainingsinterne Websites von Parteien sowie Medien als Simulationen angefertigt. So gibt es fiktive Nachrichtensender, welche Bewegt- und Tonaufnahmen von laufenden Übungen produzieren, die Soldaten im Trainings-Intranet einsehen können. Zusätzlich gibt es neben den Homepages eine trainingsinterne Version von Twitter, bei der Soldaten, Institutionen, Organisationen und die Bürger in Echtzeit Tweets absetzen können.

Überblick der simulierten Medien im Skolkan-Szenario

Die “All Bavarian News” (ABN), “Bayerische Nachrichten”, bilden die Perspektive der NATO-Länder ab, die Sender des “Feindes” heißen beispielsweise “Torrike News” und “Voice of Reason”, die “Stimme der Vernunft”. Die Heimat-Sender der angreifenden Truppen verbreiten laut Narrativ “Propaganda-Nachrichten”. Ein Nachrichten-Artikel befasst sich etwa mit der “Notstandserklärung durch den US-Botschafter” in Deutschland. Zu erwähnen ist, dass am Skolkan-Manöver in Hohenfels auch reale Vertreter des Bayrischen Roten Kreuzes teilnehmen.

Artikel-Auszug einer Trainings-Website, die sich mit Notstandserklärung in Deutschland befasst

Die Beiträge sind einer Krisen-Berichterstattung nachempfunden, wie sie sich im Falle chaotischer Zustände durch Kämpfe in Deutschland darstellt. Die NATO versucht hierbei in Ansätzen auch den Kampf um die Deutungshoheit verschiedener Medienportale im Umfeld kriegerischer Ereignisse abzubilden.

Simuliertes Medium “All Bavarian News” berichtet über verletzte deutsche Zivilisten

“Preserve Peace Movement” – die “Friedensbewegung”

Besonders zynisch ist, dass bei diesem NATO-Manöver eine kritische Haltung zur NATO in der Simulation mit enthalten ist. So bekommt hier die “Bewegung zur Wahrung des Friedens” eine eigene trainingsinterne Homepage.

Auf ihren Seiten argumentiert die fiktive Friedensbewegung beispielsweise:

Anstatt endlos eine Konfrontation oder geopolitische Vorherrschaft anzustreben, können Deutschland, andere Mitgliedsstaaten der NATO und die EU nur hinzugewinnen, wenn sie die Entspannung, den Dialog und die Kooperation mit der Skolkan-Allianz suchen.

Wie recht der Trainings-Narrativ an dieser Stelle hat…

Auf Grundlage dieses Szenarios, das 2016 erstmals in Hohenfels eingeführt wurde, fanden auch 2017 Übungen statt und werden weitere Manöver solcher Art höchstwahrscheinlich auch 2018 wieder abgehalten.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Quelle : https://deutsch.rt.com/meinung/64189-nato-probt-krieg-in-deutschland/

 

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BERLIN
(Eigener Bericht) – Deutsche Militärs betrachten ökonomische Aktivitäten Chinas in Grönland und Island als ursächlich für künftige Kriege. Sollte sich die Volksrepublik als “raumfremde Großmacht” in der Arktis “festsetzen”, werde dies “militärische Auseinandersetzungen heraufzwingen”, heißt es in einer aktuellen offiziösen Publikation. Zum Beleg verweist der Autor, ein Reserveoffizier der Bundeswehr, unter anderem auf Bergbauinvestitionen Chinas in Grönland und auf von Beijing vermeintlich verfolgte Pläne, dort gezielt chinesische Fachkräfte anzusiedeln. Die hierin zum Ausdruck kommende “ethnische Form der Einflussnahme” und das Bekenntnis der Volksrepublik zum Schutz der “souveränen Rechte der indigenen Bevölkerung” stellten eine “Kampfansage an den Westen” dar, heißt es. In Bezug auf Island kritisiert der Militär insbesondere den Bau eines Hafens im Nordosten des Inselstaates, der angeblich von einem chinesischen Unternehmen finanziert werde. Schaffe sich die Volksrepublik auf diese Weise eine “regionale Hauptumschlagbasis” für die in der Arktis geförderten Rohstoffe, dann sei sie gegenüber den “europäisch-atlantischen Anrainern” in einer “vorteilhaften geopolitischen Ausgangsposition”, erklärt der Autor, der bereits von einer “schleichenden chinesischen Landnahme” am Polarkreis spricht.
Alarmierende Perspektive
In einer kürzlich unter dem Titel “Strategie neu denken” erschienenen offiziösen Publikation befasst sich Fregattenkapitän der Reserve Jörg-Dietrich Nackmayr aus “geopolitische(r) Perspektive” mit der Arktis.[1] Das “Auftauen des arktischen Eises” werde nicht nur einen “neuen schiffbaren Ozean” entstehen lassen, sondern auch den “Abbau der heute noch eingefrorenen Ressourcen” ermöglichen, erklärt Nackmayr, der unter anderem für einen maritimen Think-Tank der NATO tätig ist [2] – und er sieht bereits Bestrebungen zur “exklusiven Kontrolle über die arktischen Gewässer”. Insbesondere durch die “Unabhängigkeitsperspektive” Grönlands, das zu Dänemark gehört, und durch das “Festsetzen Chinas” am Polarkreis sei das dortige “fragile geopolitische Gleichgewicht” aufs Äußerste “herausgefordert”, schreibt Nackmayr. Die politisch-militärische Führung in Deutschland wird von ihm in diesem Zusammenhang scharf kritisiert; so erkennt seiner Auffassung nach etwa das Planungsamt der Bundeswehr “keinen akuten Handlungsbedarf” in der Region, obwohl die dortigen Entwicklungen “höchst alarmierend” seien.[3]
Chinesische “Ethnopolitik”
Zum Beleg verweist Nackmayr unter anderem auf laufende und geplante chinesische Bergbauinvestitionen in Grönland, die er als “beeindruckend” charakterisiert: “Obwohl neben China auch die Europäische Union, Indien, Japan, Südkorea und Australien Interesse an der Entwicklung des Bergbaus in Grönland zeigen, setzen sich erstaunlicherweise chinesische Unternehmen hier weitaus besser durch als ihre internationalen Konkurrenten.” Dem Autor zufolge ist dies einerseits auf die “finanzielle Potenz” chinesischer Firmen zurückzuführen; andererseits resultiere es aus dem in der Volksrepublik anzutreffenden “strategische(n) Denken”, das auf eine langfristige Versorgung mit Rohstoffen wie Eisen, Gold, Kupfer, Uran und Seltenen Erden ziele. Da gleichzeitig grönländische Fachkräfte im Bergbau fehlten, könnte Beijing versucht sein, chinesische Spezialisten nach Grönland zu entsenden, woraus sich wiederum “unabsehbare Auswirkungen auf die soziale, politische und ethnische Entwicklung der Insel” ergäben, erklärt Nackmayr: “Was, wenn das chinesische Engagement im Bergbau innerhalb weniger Jahrzehnte zur Gründung einer chinesischen Kolonie führt, die aus den Hochzeiten zwischen Inuit-Frauen und Chinesen entstehen würde? Was, wenn diese ethnische Form der Einflussnahme sogar Teil eines großen Designs sein sollte, an dem das Politbüro der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China seit Jahrzehnten arbeitet?”[4]
Kampfansage
Zudem hält der deutsche Marineoffizier es nach eigenem Bekunden für wahrscheinlich, dass Beijing versuche, die politischen Parteien Grönlands im Sinne eigener Interessen zu manipulieren. Da etwa für eine Mehrheit im grönländischen Parlament nur sechzehn Stimmen notwendig seien, müssten “nicht sehr viele Beteiligte überzeugt werden, um eine Entscheidung umzusetzen”, erklärt Nackmayr. Wie er weiter ausführt, betrachte China die Arktis nicht nur als “gemeinsames Erbe aller Menschen” und stelle damit die “Alleinzuständigkeit der Anrainer” in Frage, sondern es habe sich auch in besonderem Maße dem Schutz der souveränen Rechte der indigenen Bevölkerungen dort verschrieben. Vor dem Hintergrund grönländischer Unabhängigkeitsbestrebungen ist dies für den Militär gleichbedeutend mit einer offenen “Kampfansage an den Westen”.[5]
Antagonist im Schatten
Eine ähnliche Entwicklung wie in Grönland konstatiert Nackmayr in Bezug auf Island. Dort richtet er sein Augenmerk insbesondere auf die Planung eines ganzjährig eisfreien Überseehafens im Nordosten des Inselstaates. Das sogenannte Finnafjord Harbour Project werde zwar von einer isländischen Reederei in Kooperation mit dem deutschen Unternehmen Bremenports realisiert, doch sei im Hintergrund der chinesische Konzern COSCO (China Ocean Shipping Company) “wie ein Schatten bereits präsent”, erklärt der Militär. Folgt man seinen Mutmaßungen, ist Island in den “strategischen Planungen” der chinesischen Führung als “Hauptumschlagbasis für die in der Arktis geförderten Rohstoffe vorgesehen”. Auch dass COSCO Anteile am belgischen Hafen Antwerpen hält, passt seiner Auffassung nach in dieses Bild: “Mit Antwerpen und einem künftigen Hafen in Island an den Handelswegen zwischen Arktis und Atlantik wäre China in einer vorteilhaften geopolitischen Ausgangsposition im Wettlauf mit den weltweiten Mitbewerbern und den europäisch-amerikanischen Anrainern.”[6]
Sprachrohr Beijings
Des weiteren verweist der deutsche Marineoffizier auf eine intensive “Besuchsdiplomatie” der Volksrepublik in Island und auf eine Erklärung des chinesischen Botschafters, der zufolge sich Island und China auf internationalem Parkett – etwa in Bezug auf Fischereirechte – gegenseitig unterstützen. Laut Nackmayr muss daher die Frage erlaubt sein, “ob man Island nach diesen Äußerungen … noch als Teil des Westens wahrnehmen sollte oder schon als Sprachrohr des Fernen Ostens im geographischen Westen”. Da Beijing zudem angekündigt habe, Direktflüge zwischen China und Island aufzunehmen und die Zahl chinesischer Touristen in dem Inselstaat von heute 10.000 auf 100.000 pro Jahr zu steigern, sei schon jetzt eine “schleichende chinesische ‘Landnahme’ im Atlantik” zu konstatieren, erklärt der Militär.[7]
Zwang zum Krieg
Nackmayrs Fazit, das in Form und Inhalt an Theoreme etwa des “Kronjuristen des Dritten Reiches”, Carl Schmitt, oder des NS-Geopolitikers Karl Haushofer erinnert (“raumfremde Mächte”), klingt denn auch beängstigend: “Sollte sich China als raumfremde Großmacht dauerhaft am Polarkreis engagieren, wird das die politischen Gravitationskräfte maßgeblich beeinflussen. Das Auftauchen einer neuen Macht auf den transatlantischen ‘lines of communications’ [militärische Verbindungs- und Nachschubrouten, d. Red.] hat das Potenzial, aus ökonomischem Wettbewerb politische Rivalität und in letzter Konsequenz militärische Auseinandersetzungen heraufzuzwingen.”[8]
Eine Rezension des Bandes “Strategie neu denken” finden Sie hier.
Zur deutschen – militärisch flankierten und gegen China sowie Russland gerichteten – Arktispolitik lesen Sie bitte auch Eiskalte Geopolitik (II), Eismeer statt Wüstensand, Die Schätze der Arktis, Die Seekriege der Zukunft, Arctic Roadmap, Kalter Krieg am Nordpol und Eiskalter Krieg (IV).

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